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Kritik: James Horner - Der Plagiator (?):

"Das ist eine (1) gute Idee!" oder "Erfolg - auf TÖNErnen Füßen?"

Eine Anschauung an Beispielen


Der Filmkomponist James Horner ist eine kontroverse Person, um nicht zu sagen ein recht ambivalentes Wesen. Das beziehe ich insbesondere auf seine "Anhänger" und seine "Feinde": Ein "dazwischen" gibt es nämlich nicht. Die einen vergöttern ihn über alles und sehen in ihm den absoluten Filmmusik-Gott, die anderen sehen ihn als den miserabelsten Komponisten aller Zeiten an.

Ich persönlich, um es gleich vorauszuschicken, gehöre eher der letzteren Gruppe an. Auch wenn ich einige seiner Werke nicht sooo schlecht finde, muss ich doch sagen, dass es einiges an seinen Werken - und seiner Art zu arbeiten - auszusetzen gibt. Dieser Text soll sich nun mit den - teilweise durchaus berechtigten - Vorwürfen, Horner schreibe von anderen (und sich selbst) ab, auseinandersetzen. Dabei will ich mir keinesfalls den Zorn seiner Fans zuziehen, sondern mache nur von meinem Recht der freien Meinungsäußerung Gebrauch.

Mein ersten Eindrücke von Horner waren durchaus positiv. Es fing damit an, dass ich Gelegenheit bekam, den Soundtrack zu "Star Trek II" von Horner zu hören. Gleich fiel mir auf, dass dies ein relativ guter Soundtrack ist. Außerdem kannte ich schon aus dem Film "Titanic" die Musik, die ja auch von ihm stammt. Auch diese gefiel mir auf den ersten "Blick" ganz gut.

Doch später hörte ich mehr Werke von Horner und musste einige Parallelen zu klassischen Werken z.B. von Ligeti und Katschaturjan feststellen (von letzterem habe ich sogar bereits einige Werke auf dem Klavier gespielt - ein moderner Komponist, der, hätte er heute gelebt, durchaus Filmkomponist hätte werden können. Von ihm stammt der berühmte Säbeltanz). Doch des nicht genug, ich hörte mir später das ursprüngliche Star Trek-Werk "Star Trek I - The Motion Picture" vom großen Meister Jerry Goldsmith an - und schon das erste, herzzerreißende Stück "Ilia's Theme" ließ mich stutzen: War da nicht gerade für eine Sekunde das Star Trek II - Theme zu hören? Nein, kann ja nicht sein, Horner hat es ja später geschrieben!!! Oder... ja! So muss es sein!

Und von da an dämmerte es mir: Horner hat einen bruchstückhaften Fetzen nebensächlicher Begleitmelodien aus "Ilia's Theme" genommen und es als Hauptthema für Star Trek II verwendet. Vielleicht täusche ich mich, aber es ist doch verdammt ähnlich! Dies fiel wahrscheinlich keinem auf, da dieser - in Star Trek II so breit ausgewalzte - Melodiefetzen in Star Trek I wirklich nur an dieser einen Stelle vorkommt. Bei Jerry hat er nur die Funktion eine Überleitung und tritt als rhythmisch abgewandelte Form des Star Trek I - Themas auf. Aber überzeugt euch doch von der Parallelität der Melodien einfach selbst:

Der besagte Fetzen aus
Jerry Goldsmith's "Ilia's Theme"
(aus Star Trek I)
Das Hauptthema von Star Trek II von Horner
(hier ein Ausschnitt aus dem "Main Title")


Außerdem ist es bekanntermaßen so, dass Horner etwas, das ihm einmal gut gelungen ist, immer wieder verwendet. So erfuhr ich, zunächst aus anderen Quellen, später mit eigenen Ohren, dass sein erster "Weltraum-Soundtrack" Battle Beyond the Stars (der übrigens genau ein Jahr nach Star Trek I erschien... und sozusagen der LowBudget-Konkurrent war) schon alle Merkmale seines späteren Star Trek II enthalte. Es lässt sich dies natürlich auch auf Star Trek III übertragen: Auch dieser Score stammt von ihm - und ist in ein komplettes Wiederverwerten von Star Trek II ausgeartet. Zur Verdeutlichung sei hier ein Vergleich zwischen Battle Beyond the Stars und Star Trek III (=II...) angestellt - man beachte die markanten - zwar melodisch nicht 100% gleichen, aber dennoch vom strukturell gedachten Ursprung identischen - Trompetenmotive:

Ausschnitt aus "Cowboy And The Jackers" aus Battle Beyond the Stars Ausschnitt aus "Bird of Prey Decloaks"
aus Star Trek III


Das Wiederverwenden harmonisch und auch teilweise melodisch exakt gleicher Phrasen in zeitlich mitunter Jahre voneinander entfernten Soundtracks ist ein typisches, plagiativ-plakatives Merkmal Horners, ja, man könnte es fast sogar schon als sein wichtigstes "Stilmittel" bezeichnen...
Hier noch ein kleines Beispiel, das fast schon Skandalcharakter hat. Zweimal dieselbe Harmonieidee und ähnliche Instrumentierung - allerdings einmal aus Aliens (1986) und einmal aus Apollo 13 (1995) - es also liegen also 9 Jahre dazwischen !

Ausschnitt aus "Combat Drop"
aus Aliens (1986)
Ausschnitt aus "All Systems Go - The Launch"
aus Apollo 13 (1995)


Einer der seinerzeit schärfsten Kritikpunkte war der, dass Horner bei Battle Beyond the Stars, seinem ersten "Durchbruch", eines der wichtigsten stilistischen Merkmale von Star Trek I (Jerry Goldsmith), abgeschrieben hätte: Den Blaster Beam. Dabei handelte es sich bei Goldsmith um ein für diesen Film erdachtes und von Craig Huxley konstruiertes Instrument aus Panzerröhren und rotierenden Elektromagneten, das einen tiefen, bedrohlich-blechernen Klang von sich gab. Horner hat in Battle Beyond the Stars nun einen Klang verwendet, der dem Blaster Beam nicht nur ähnlich ist, sondern scheinbar (d.h. so schien es mir) eine exakte Kopie desselben - im Synthesizer. Ein Vergleich:

Der Blaster Beam in "Total Logic" aus Star Trek I (Jerry Goldsmith) Das "Plagiat" in "Malmori Rear Guard" aus
Battle Beyond The Stars (Horner)


Zu diesen, wie gesagt, damals (zu Recht) sehr scharfen Kritikpunkten sagte Horner sinngemäß, dass er Golsmith "sehr respektiere" und man sich nun mal an seinen Vorbildern "orientiere". Außerdem sagte er, dass die Leute in seiner Musik nur deswegen Goldsmith hören, weil sie Goldsmith kennen. Andere Menschen würden in seiner Musik Ligeti oder Mahler hören.
Dazu kann ich nur sagen: Welch ein Fehlschluss!!! Natürlich wird niemand, der noch nie etwas von Goldsmith gehört hat, sagen, Horners Musik klinge nach Goldsmith!!! Eher andersherum wird ein Schuh draus: Jeder, der Goldsmith auch nur annähernd kennt, wird sofort erkennen, woher Horner diese Ideen hatte!
(Anmerkung: Jeder der ihn nicht kennt, wird in ihm logischerweise Ligeti oder Mahler hören...: Bei Györgi Ligeti hat Horner studiert, von Mahler schneidet er sich manchmal eine Scheibe in Sachen Instrumentierung ab...)

Davon abgesehen, ist es schon eine "große Leistung" für ihn, mal was ordentliches auf die Beine zu stellen. Kein Wunder also, dass er sich immer wieder daran vergreift (denn z.B. Battle in the Mutara Nebula aus Star Trek II ist wirklich nicht schlecht!) Wenn er übrigens einen absoluten Knaller gelandet hat, versucht er immer wieder, das Top-Lied des betreffenden Soundtracks als Pop-Song zu produzieren und zu vermarkten - so geschehen zum Beispiel bei "Titanic" ("My Heart will go on") und weiteren. Wie passend da doch folgendes Zitat Horners ist:

"I'm different from some other composers, because I don't look at this as just a job. I think of music as art. I don't think of it as commerce."

Haha. Sehr witzig.
Eine weitere Schwäche Horners ist es, einmal "gelungene" Themen immer wieder zu wiederholen - und zwar praktisch ohne Abwandlung. Extrembeispiel hierfür ist wieder das (sonst gute) "Battle in the Mutara Nebula" aus Star Trek II.
Ihm fällt als "Variation" hier nichts besseres ein, als dasselbe zweimal hintereinander, um eine Quarte nach oben verschoben, zu wiederholen. Hört selbst:

Ausschnitt aus "Battle in the Mutara Nebula" aus Star Trek II.

Und das gleiche nochmal in einem Stück aus Battle Beyond the Stars: Nicht nur, dass die Begleitrhythmen sehr ähnlich sind (auch vom Tempo her...), nein, auch hier "schneidet" Horner eine gedachte Melodielinie "vorzeitig" ab und setzt sie in einer anderen Tonart fort:

Ausschnitt aus "Shad's Pursuit" aus Battle Beyond the Stars

Und weil's so schön war, gleich noch eine Stelle, wo man Horners Lieblingsrhythmus noch mal hören kann (den nimmt er immer, wenn ihm nix mehr einfällt):

Noch ein Ausschnitt aus "Shad's Pursuit" aus Battle Beyond the Stars


Viele weitere Ähnlichkeiten bestehen übrigens auch zwischen dem Love Theme aus Battle Beyond the Stars und Ilia's Theme aus Star Trek I von Jerry Goldsmith - und am offensichtlichsten: zwischen dem Anfang von "Stealing The Enterprise" aus Star Trek III und dem Titel "Der Kampf" (Szene No. 6) aus Sergej Prokofievs Ballett "Romeo und Julia". Von letzterem gibt es hier natürlich noch ein kleines Beispiel:

Aus "No. 6: Der Kampf" (aus dem Balett "Romeo und Julia") von Sergej Prokofiev Aus "Stealing the Enterprise" aus Star Trek III 'von' James Horner


Ich finde dieses Beispiel zeigt am krassesten, wie Horner wirklich 1:1 abschreibt. Und es ist immer gut wenn man von jemandem abschreibt, der nicht mehr lebt. Der kann sich nämlich nicht beschweren. Ganz ähnlicher Motivik bedient sich Horner auch in "Jenny's Rescue" aus The Rocketeer. Hier wurden lediglich einige Beckenschläge eingefügt und die Sechzehntel- durch Achtelnoten ersetzt. Hier schreibt er zwar nicht 1:1 (von sich selbst - bzw. eigentlich wieder von Prokofiev) ab, aber wieder mal ist der Grundgedanke hinter dem Motiv sehr ähnlich:

Ausschnitt aus "Jenny's Rescue" aus The Rocketeer



Lachhaft scheinen da Zitate Horners wie:


"I have a poor memory. After I write a score, I forget it. That's why I never write the same thing twice."

(Hier auf die Frage, warum Star Trek III ein fast-exaktes Recycling von Star Trek II sei...)

Bekannt sind viele Fälle, in denen Horner von anderen Komponisten kopiert hat, doch der bekannteste (weil als einziger gerichtlich verfolgte) Fall ist "sein" Soundtrack "Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft" (Honey, I Shrunk the Kids): Hier ist es nicht zu überhören, dass er sich im Theme an Nino Rota's Amarcord vergriffen hat - nur schneller und jazziger. Rota leitete gerichtliche Schritte ein und hatte Erfolg: Auf allen Plakaten usw. musste der Zusatz "Theme containing music by Nino Rota" hizugefügt werden. Ein Schlag gegen den Plagiator! Einmal mehr passt hier der Ausspruch:

"Alles, was er tut, ist ko(m)p(on)ieren!"....

Vielleicht denkt ihr, ich tue Horner unrecht, weil ich hier haupsächlich auf seine sehr frühen Scores eingehe. Mag sein, aber ganz ehrlich sehe ich zum Beispiel in Brainstorm, das von vielen seiner Fangemeinde als sein "Meisterwerk" angesehen wird, auch nicht unbedingt den Renner (auch wenn ich es in letzter Zeit immer besser finde...). Davon abgesehen musste ich über diese Soundtracks einfach mal was loswerden - zumal Horner die Veröffentlichung des Scores zu Battle Beyond the Stars Jahrzehnte zu verhindern gesucht hat. Warum wohl...? (Seine Begründung war die angeblich schlechte Soundqualität...)
Übrigens: Was auf dieser (einzigen verfügbaren) Aufnahme wirklich grottenschlecht ist, ist nicht nur die Komposition (und an manchen Stellen wirklich die Tonqualität), sondern vor allem die Qualität des Orchesters. Es war zwar eine Low-Budget-Produktion (warum sonst hätte man Horner als Komponisten genommen...), aber hier hätte man wirklich mal Leute nehmen können, die auch (zusammen-)spielen können. Für diejenigen, die den Soundtrack besitzen: Hier gibt's eine von mir zusammengestellte Liste mit Fehlerstellen und genauen Beschreibungen zum Downloaden.



In meinem Fazit muss ich unbedingt noch einschieben, dass ich Horner keineswegs verachte, ich denke nur, dass man bei ihm die Plagiatsstellen sehr offensichtlich sieht / hört. Ein Beispiel ist auch der Flying Circus aus The Rocketeer, das frappierende Ähnlichkeit mit den Themen aus John Williams' Indiana Jones - Filmen aufweist. Doch ich muss immer wieder betonen, dass Horner auch seine guten Seiten hat, beispielsweise gefällt mir in der letzten Zeit Brainstorm immer besser. Auch muss ich der Fairness halber hier unbedingt noch betonen, dass andere Komponisten teilweise ebenso verfahren wie Horner, zum Beispiel schrieb Williams bei zentralen Stellen seines Star Wars Main Title schlicht und einfach von Gustav Holst aus dessen Stück Mars (aus "Die Planeten") ab. Ein Beispiel führe ich hier auf, um Horners Ehre zu retten...:

Aus "Mars" (aus dem Zyklus "Die Planeten") von Gustav Holst Aus dem berühmten "Main Title" zu Star Wars von John Williams



Und um den jungen Horner jetzt schließlich aber doch noch mal ein wenig "auf die Schippe zu nehmen", habe ich mir was ganz besonderes ausgedacht:

Eine musikalische Karikatur des frühen Horner - JAMES' SIMPLE THOUGHTS... (download, MIDI, 14KB)
Das Stück ist noch nicht fertig, wie ihr sicher merken werdet...

Und ganz zum Schluss noch ein kleines Rätsel:
Wer errät, aus welchem Film-Score der folgende Ausschnitt ist? Star Trek II? Oder doch III? Oder was ganz anderes? (Es könnte ja eigentlich alles sein...) Also, wer es weiß kann mir gern eine E-Mail schicken, ich schreibe dann zurück, ob es richtig war (NEIN, zu gewinnen gibt's nix...)

Rätselhafte Stelle von Horner...




Ich könnte hier noch etliche weitere Dinge schreiben, die aber alle schon mal gesagt wurden - Lest euch bitte mal diese Seite durch:
http://www.mediatainment-seite.de/JPIIIHorner.html

Diese Seite war auch die Anregung, hier dieses Thema auch mal anzureißen. Wie gesagt, bringt es nichts, Sachen zweimal zu schreiben, daher lest euch bitte auf jeden Fall diese Seite durch. Von dort habe ich auch die Zitate Horners, die hier so perfekt passen.

Wichtiger Hinweis zu den Musikbeispielen: Zum Anhören braucht ihr den Windows Media Player ab 6.0 sowie aktivierte ActiveX-Controls in eurem Browser (für Internet Explorer ab 5.0) bzw. ein installiertes MediaPlayer-Plugin (für Netscape und Mozilla/Firefox).

Zum Rechtlichen: Ich habe die Musikfetzchen einfach guten Gewissens hier bereitgestellt, da ich glaube, dies ist zu Anschauungs-, Lehr- und Demonstrationszwecken durchaus legitim. Außerdem ist kein Beispiel viel länger als 20 Sekunden. Sollte hier irgendjemand / irgendeine Institution (z.B. GEMA) was anzumelden haben - eine Mail genügt, und ich nehme die Musiken natürlich entsprechend von der Seite runter.

Erste Version dieses Artikels: 01.09.2004
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 17.07.2006
Diese Seite wird stetig erweitert und verbessert.